Praxis Burnout ein Flächenbrand

Burnout bei Ärzten und Mitgliedern medizinischer Teams ist ein verbreitetes Problem mit versorgungsrelevanten Auswirkungen. Der Schlüssel liegt in der Bereitschaft, die Gefährdung für Individuum und Organisation zu erkennen und zu handeln. Beides ist mit relativ einfachen Mitteln möglich. Der vorliegende Artikel gibt einen Überblick und beschreibt das Problem, gibt Diagnose-Instrument zur Hand und diskutiert Lösungsansätze.
Ein ganz normaler Praxistag. Es ist ungefähr elf Uhr. Der Diabetologe Dr. F hat einen Patienten verabschiedet. Kurz dokumentiert er das Besprochene, und wendet sich dem nächsten Patienten zu „Der schon wieder! Warum denn das? Und das bei dieser Verspätung“ stöhnt er. Ist Ihnen das auch schon mal passiert? Öfters vielleicht? In ganz bestimmten Situationen? Eine Situation, die in vielen Praxen so, oder so ähnlich häufig auftritt. Zunächst eine ganz normale situationsbedingte Reaktion, treten diese und andere Reaktionen (siehe Tabelle: Burnout-Symptome) häufiger auf, lohnt es sich, da genauer hinzugucken.

Burnout in Arztpraxen

30-50 % der aktiven Ärzte und anderer Healthcare-Professionals (HCPs) weisen nach aktueller Studienlage (auch deutscher Studien) zumindest ein Symptom der Trias, die das burnout-Syndrom ausmacht (körperliche- und seelische Erschöpfung; Zynismus gegenüber der Arbeit, Kollegen oder Kunden; Ineffektivität des Handelns und Verlust der beruflichen Kompetenz), auf. Eine überraschende Größenordnung und sie nimmt zu. Der Burnout der HCPs hat nachweislich negative Auswirkungen auf die Versorgungsqualität der betroffenen Praxis und die Patientenzufriedenheit. Er schlägt sich in einem Per­for­mance­verlust der betroffenen Ein­richt­ung nieder. Die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen weisen ein unterdurchschnittliches Ergebnis auf. Das Fatale an der Geschichte ist, gelingt es nicht das Problem in ange messener Zeit zu lösen, kann das Burnout einzelner in ein „Organizational Burnout“ übergehen; die Organisation (Praxis) verliert an Strahlkraft, Kundenorientierung und Präzision. Sie verliert an Flexibilität und wird unattraktiv. Mit relativ einfachen Mitteln können Sie das verhindern.

„Das Burnout einzelner kann in ein ‘Organizational-Burnout‘ übergehen.“

Sind Sie belastet?

Der Weg von den ersten Anzeichen bis zu dem Vollbild eines Burnout ist schleichend und weist eine hohe Dunkelziffer auf. Auch wenn es keine einheitliche Definition des Burnout gibt, sollten wir so begründet wie möglich, mit dem Mut zum Pragmatismus, die Instrumente nutzen, die zur Verfügung stehen.

Sollten Sie jetzt festgestellt haben, dass dieses oder jenes item auf Ihre Situation zutrifft, können Sie unter www.huebbenet.de/ Fragen zur individuellen Belastung testen, ob ein Handlungsbedarf besteht.

Burnout: eher ein systemisches Problem

Die Häufigkeit des ärztlichen burnouts ist Ausdruck systemischer Ursachen, die zu einer polyvalenten Überlastung Betroffener und ganzer Organisationen oder Teilen derer führen. Fehlinterpretationen Es liegt auch an der einseitigen Ausrichtung der verwendeten Testferfahren, dass das Auftreten eines Burnouts der persönlichen Disposition eines Betroffenen zugeschrieben wird. Der damit verbundene Eindruck menschlichen Versagens behindert ein offenes Umgehen und damit die Lösung des Problems. Es gibt zwar eine persönliche Disposition, sie aber spielt eine untergeordnete Rolle. Wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass die Ursachen in der dynamischen Passung zwischen Individuum und Organisation zu suchen ist. Unsere Serie zu diesem Thema wird weitergeführt. In einer der nächsten Ausgaben des DiabetesForums analysieren wir die Besonderheiten des individuellen und organisationalen Burnout und beschreiben Lösungsansätze.

 


Quelle – DiabetesForum-Kirchheim Verlag –